Irini Stefos

Berufsinspektorin, Mittelschul- und Berufsbildungsamt MBA Zürich

Irini Stefos

Berufsinspektorin, Mittelschul- und Berufsbildungsamt MBA Zürich

Für mich positioniert sich Job Caddie als starker Partner in der Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungsamt und bietet eine bereichernde und zielführende Unterstützung für Mentees. Bei der Begleitung wird auf die menschlichen Aspekte und auf die individuellen Werdegänge der jungen Erwachsenen einzeln eingegangen, stets unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen An- und Herausforderungen. Durch diese Herangehensweise erzielt meines Erachtens jeder Mentee einen Fortschritt gegenüber seiner Ausgangssituation. Es kann sein, dass er bei einer Lehrvertragsauflösung dank der Unterstützung seines Mentors eine Fortsetzungslehrstelle findet oder dass er durch die Begleitung die Chance wahrnimmt, um die Weichen für den beruflichen Werdegang neu zu stellen.

Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft SGG ist Trägerin von Job Caddie und finanziert das Programm.

Den (Wieder-)Einstieg in die Berufswelt ermöglichen
Um junge Erwachsene bei Schwierigkeiten während und nach der Lehre zu unterstützen, hat die SGG im Jahr 2008 das Mentoringprojekt «Job Caddie» ins Leben gerufen. Job Caddie berät junge Erwachsene und vermittelt ihnen einen passenden Mentor oder eine passende Mentorin – freiwillig Engagierte, die in der Regel aus der gleichen Branche wie die Jugendlichen kommen.

Zusammenarbeit
Job Caddie steht mit verschiedenen amtlichen Stellen im Kanton Zürich in Kontakt, hauptsächlich mit dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt, MBA. Mit anderen privaten Anbietern von Unterstützungsangeboten für Jugendliche und junge Erwachsene ist Job Caddie gut vernetzt. Somit ist bei Bedarf eine Weiterempfehlung an spezifischere Fachstellen gewährleistet.
Die Erfolgsbilanz von Job Caddie ist erfreulich: Rund 75% Prozent der von Job Caddie begleiteten Jugendlichen und jungen Erwachsenen schaffen erfolgreich den nächsten beruflichen Schritt. Weitere Informationen: www.jobcaddie.ch

Den Kinderschuhen entwachsen

Vor 10 Jahren initiierte die SGG das Mentoring-Programm Job Caddie als Pilotprojekt für die Region Zürich. Eine lokale Leitung sowie Plakate in Tram und Bus sorgten dafür, dass das kostenlose Beratungsangebot für „Lehrlinge mit Schwierigkeiten oder für Lehrabgängerinnen auf Jobsuche“ rasch mit Anfragen überhäuft wurde. Job Caddie war damals schweizweit das einzige Projekt, das junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren bei Problemen in der Lehre oder beim Einstieg in die Berufswelt mit Mentorings unterstützte. Einzigartig an Job Caddie ist bis heute, dass sich die jungen Erwachsenen freiwillig zur Beratung und Begleitung melden. Nebst der Region Zürich hat Job Caddie mittlerweile auch in Zug und in der Region Bern Fuss gefasst und streckt derzeit die Fühler in die Ost- und Westschweiz aus. Das ehemalige Pilotprojekt ist den Kinderschuhen definitiv entwachsen. Allein im Raum Zürich verzeichnet Job Caddie heute über 400 Anfragen pro Jahr. Der Mentoring-Prozess hat viele Vorteile: Er fördert das freiwillige, generationenverbindende Engagement und die Chancengleichheit in der Gesellschaft. Er ermöglicht den Mentees und den Mentor*innen gegenseitiges Geben und Nehmen. Können junge Erwachsene beruflich integriert werden, reduziert dies zudem langfristige Folgekosten. Dass Job Caddie von gesellschaftlichem und volkswirtschaftlichem Nutzen ist, haben auch staatliche Gremien realisiert. Seit Anfang 2019 beteiligt sich die Stadt Zürich für mindestens zwei Jahre mit einem namhaften Betrag für Stadtzürcher Jugendliche, die von Job Caddie begleitet werden. Job Caddie nahm seinen 10. Geburtstag wahr, um im festlichen Rahmen allen Akteurinnen und Akteuren zu danken: dem Zürcher Job Caddie-Team für seinen enormen Einsatz, den SGG-Gremien für die strategische und finanzielle Unterstützung, den Mentorinnen und Mentoren für ihr freiwilliges Engagement, den Mentees für ihre Vertrauen sowie den zahlreichen Ämtern, Fachstellen, Schulen, Lehrbetrieben und Medien, die den letzten 10 Jahren Jugendliche auf das Mentoring-Programm aufmerksam gemacht haben. Nun kommt Job Caddie in die Pubertät. Mit Mutter SGG wird Job Caddie stets verbunden bleiben. Gleichzeitig begrüsst es die SGG, dass sich das Mentoring-Programm mit weiteren Organisationen aus Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft verbindet, um nachhaltig bestehen zu können.  www.jobcaddie.ch

Corona erschwert den Berufseinstieg

Die letzten Monate zeigen, dass sich für junge Menschen im Zuge von Covid-19 der Schritt in die Berufswelt als besonders herausfordernd erweist. Lehrabgänger*innen sind von den Auswirkungen der Corona-Krise speziell betroffen, weil sie sich wegen Kurzarbeit und Entlassungen vieler erfahrener Berufsleute in einem zusätzlichen Wettbewerb um freie Stellen befinden.

Job Caddie hat Krisen-Erfahrung

Job Caddie fühlt sich durch die Corona-Krise an seine Anfänge vor 12 Jahren erinnert. 2008 wurde das Mentoringprogramm von der SGG ins Leben gerufen, weil die Finanz- und Wirtschaftskrise es jungen Erwachsenen damals wie heute erschwerte, nach Lehrabschluss eine erste Stelle zu finden. Nun zeigt sich wie damals, wie wertvoll Mentoring durch freiwillig engagierte Berufsleute ist. Oft liegen den Herausforderungen, mit denen sich die Mentees konfrontiert sehen, zwischenmenschliche Schwierigkeiten am Arbeitsplatz zugrunde. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, dass eine Pandemie in solchen Situationen das Fass zum Überlaufen bringen kann. So klopften bei Job Caddie in den letzten Wochen zahlreiche junge Menschen an, deren Probleme nicht direkt durch die Corona-Krise ausgelöst wurden. Oft hatten sich die Schwierigkeiten in der Ausbildungs- oder Arbeitsplatzsituation durch die Wochen des Lockdowns aber zugespitzt. Diese Jugendlichen profitieren von der zeitnahen, individuellen, niederschwelligen und möglichst branchennahen Begleitung durch eine erfahrene Berufsperson bei Job Caddie. Dank des Engagements der rund 250 freiwilligen Mentor*innen erfolgt die Unterstützung für die Mentees kostenlos.

Mentoring findet staatliche Anerkennung

Es ist davon auszugehen, dass die Corona-Krise in der Berufsbildung noch eine Weile Spuren hinterlassen wird. Umso wichtiger sind Unterstützungsangebote wie Job Caddie, die in Zukunft vermutlich noch stärker in Anspruch genommen werden. Die vom Bund eingesetzte verbundpartnerschaftliche Task Force «Perspektive Berufslehre 2020» hat denn auch Mentoring als eine der wichtigsten Massnahmen zur Bewältigung der Folgen von Corona für den Lehrstellen- und Berufseinstiegsmarkt identifiziert. Nun gilt es dafür zu sorgen, dass diese Erkenntnis nicht nur kurzfristig währt, sondern dass die Bedeutung von zivilgesellschaftlich getragenem Mentoring für die berufliche Integration von jungen Menschen vom Staat grundsätzlich und nachhaltig anerkannt wird.