SGG-Programm Job Caddie: Wo die SGG Freiwilligenarbeit nicht nur erforscht

Die SGG fördert seit 20 Jahren landesweit die Freiwilligenarbeit. Sie tut dies primär in der Erforschung des freiwilligen Engagements und durch die Förderung von Freiwilligen-Projekten Dritter. Die SGG wirkt in einem ihrer Programme aber auch direkt mit Freiwilligen. Im Berufsintegrations-Programm Job Caddie engagieren sich Mentorinnen und Mentoren, die junge Erwachsene beim Berufseinstieg unterstützen.

Es gibt verschiedene Formen von Freiwilligenarbeit. Manche suchen in ihrem gesellschaftlichen Engagement bewusst einen Ausgleich zu ihrer Erwerbsarbeit. Und manche wollen in der Freiwilligenarbeit bewusst ihr professionelles Know-how kostenlos in den Dienst von weniger Privilegierten stellen. Bei der zweiten Art von Freiwilligenarbeit spricht man neulateinisch von «skills-based-volunteering». Allein im Kanton Zürich wirken rund 150 freiwillige Mentorinnen und Mentoren bei Job Caddie. Weitere wirken bei der Zweigstelle in Bern und Zug, und bald auch im Kanton Schwyz. Die Mentorinnen und Mentoren werden von den Job Caddie-Geschäftsstellen ausgebildet und begleitet.

Erfolgreiche Beispiele

Die folgenden drei anonymisierten Beispiele geben einen Einblick in die sehr individuelle Begleitung von jungen Mentees, die entweder eine neue Lehrstelle oder nach der Lehre den Einstieg in die Berufswelt suchen:

  • Ein junger Mann suchte eine Nachfolgelehrstelle. Seine Unterlagen und Anschreiben waren nicht schlecht, aber nirgendwo klappte es, obwohl es eigentlich keinen Grund dafür gab. Bis klar wurde: Es lag daran, dass der Mentee sehr leise und unsicher sprach am Telefon, so dass niemand sich für seine Bewerbung interessierte. Der Mentor nahm kurzerhand das Telefon zur Hand und informierte das Unternehmen über das Handicap seines Schützlings. Daraufhin konnte der junge Mann sich beim Unternehmen vorstellen. Und die Lehrstellenzusage traf schon nach kurzer Zeit ein.
  • Eine Kündigung im ersten Lehrjahr brachte eine junge Frau zu Job Caddie. Es wurde klar, dass die neue Lehrstelle in einem kleineren Betrieb sein musste. Die Mentorin vereinbarte mit ihrer Mentee, möglichst viele Betriebe anzuschauen. Zudem klärte sie zusammen mit der Job-Caddie-Geschäftsstelle ab, ob ein Wechsel des beruflichen Schwerpunkts möglich sei. Die beiden fanden vier Betriebe zum Schnuppern. Bald konnte ein neuer Vertrag unterschrieben und die Begleitung erfolgreich abgeschlossen werden.
  • Ein junger Mann, dessen Lehre aufgelöst worden war, suchte eine Anschlusslehre. Die Mentorin half ihm, Firmen herauszusuchen und gab ihm Tipps, um im Gespräch überzeugend zu wirken. Auch rief sie ein paar Unternehmen an. Ein Unternehmen zeigte sich bereit, die Unterlagen des jungen Mannes zu prüfen. Es dauerte nach der Antwort des Unternehmens mehrere Wochen, bis der Mentee alles bereit hatte und die Dokumente abschicken konnte. Geduld war gefragt. Vor dem Schnuppern wollte der Mentee seine Mentorin nicht mehr treffen, er traute sich zu, es alleine zu meistern. Und tatsächlich: Kurze Zeit darauf erfuhren wir, dass der junge Mann seine Lehre bei der Schnupperstelle weiterführen könne.

Nicht immer laufen Mentorate so glatt. Aber dank des grossen Engagements und des Herzbluts der Mentorinnen und Mentoren von Job Caddie gelingt es vielen jungen Menschen, ihre Berufslehre fortzusetzen oder definitiv ins Berufsleben einzusteigen. Diese Form der Freiwilligenarbeit hat auch eine direkte soziale und gesellschaftliche Wirkung, indem sie Jugendarbeitslosigkeit zu verhindern hilft. Gerade in der Corona-Pandemie ist diese Hilfe besonders wichtig.