Job Caddie

Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft SGG ist Trägerin von Job Caddie und finanziert das Programm.

Den (Wieder-)Einstieg in die Berufswelt ermöglichen
Um junge Erwachsene bei Schwierigkeiten während und nach der Lehre zu unterstützen, hat die SGG im Jahr 2008 das Mentoringprojekt «Job Caddie» ins Leben gerufen. Job Caddie berät junge Erwachsene und vermittelt ihnen einen passenden Mentor oder eine passende Mentorin – freiwillig Engagierte, die in der Regel aus der gleichen Branche wie die Jugendlichen kommen.

Zusammenarbeit
Job Caddie steht mit verschiedenen amtlichen Stellen im Kanton Zürich in Kontakt, hauptsächlich mit dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt, MBA. Mit anderen privaten Anbietern von Unterstützungsangeboten für Jugendliche und junge Erwachsene ist Job Caddie gut vernetzt. Somit ist bei Bedarf eine Weiterempfehlung an spezifischere Fachstellen gewährleistet.
Die Erfolgsbilanz von Job Caddie ist erfreulich: Rund 75% Prozent der von Job Caddie begleiteten Jugendlichen und jungen Erwachsenen schaffen erfolgreich den nächsten beruflichen Schritt. Weitere Informationen: www.jobcaddie.ch

  • Job Caddie Zürich konnte rund 380 junge Erwachsene unterstützen, gleich viele wie 2015. Die Zahl der freiwillig engagierten Mentorinnen und Mentoren stieg von 100 auf über 130 an.

  • Job Caddie Zug erhielt ab Mai 2016 eine neue Projektleiterin: Christine Meister. Gezielte Marketingmassnahmen sollen die Bekanntheit des Angebots fördern. In zwei Einführungsseminaren wurden weitere 15 freiwillige Mentorinnen und Mentoren auf ihr Engagement vorbereitet.

  • Job Caddie Bern konnte dank Zustimmung des Vorstands der Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft Bern (OGG) und der 200-köpfigen Synode der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (Refbejuso) das Pilotprojekt starten.

  • Unter „Flüchtlinge für Flüchtlinge“ startete mit Unterstützung des Staatssekretariats für Migration (SEM) ein Pilotprojekt. Junge erwachsene Flüchtlinge werden neben der Begleitung durch eine/n einheimische/n Mentor/in auch von einer Schlüsselperson aus dem gleichen Sprach- und Kulturkreis in der beruflichen Integration unterstützt.

30% mehr junge Erwachsene als im Vorjahr suchten bei Job Caddie in Zürich Unterstützung

Über 100 freiwillige Mentorinnen und Mentoren waren im Einsatz

Im Kanton Zug ist die zweite Geschäftsstelle von Job Caddie eröffnet worden

In Bern laufen Verhandlungen mit potenziellen Partnern

Im Jahr 2014 suchten rund 300 junge Erwachsene bei Job Caddie Rat, vergleichbar viele wie in den Vorjahren. Die Zahl der vermittelten Mentorate ist parallel zur schweizweiten Bedarfsanalyse und zum Aufbau eines neuen Standorts leicht angestiegen. Job Caddie pflegt intensiv die Zusammenarbeit mit staatlichen und privaten Stellen und gehört im Raum Zürich mittlerweile zum festen und anerkannten Berufsintegrationsangebot.

Erstmals in der sechsjährigen Geschichte von Job Caddie konnten finanzielle Beiträge Dritter gesichert werden. Das Staatssekretariat für Migration sprach für die Jahre 2014 bis 2017 Fördergelder mit dem Fokus auf die Berufsintegration von Menschen mit Migrationshintergrund.

Eine breit angelegte Studie zeigt die Schweizer Unterstützungslandschaft in der Berufsintegration für unterschiedliche Zielgruppen auf. Konkretes Resultat der Studie war die Lancierung eines Vorprojekts im Kanton Zug. Ende 2014 stimmte der Vorstand der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug der Finanzierung eines dreijährigen Pilotprojekts «Job Caddie Zug» zu.

Interview mit Michèle Uffer, freiwillige Mentorin bei Job Caddie
Beim SGG-Programm Job Caddie engagieren sich über hundert Freiwillige als Mentorinnen und Mentoren für Jugendliche, die ihre Berufslehre abbrechen oder beim Übergang von der Berufslehre zur ersten Festanstellung besondere Mühe haben. Wir haben die Mediatorin Michèle Uffer über ihre Erfahrungen befragt.

Wie sieht dein beruflicher Werdegang aus?

Als eidgenössisch diplomierte Wirtschaftsinformatikerin habe ich lange Zeit Grossprojekte in Firmen geleitet. Durch die Projektarbeit, wo es immer „gemenschelt“ hat, stiess ich per Zufall auf die Mediation. Ich absolvierte die Ausbildung zur Mediatorin und machte später den Master in „human systems engineering“. Nach dem Master-Abschluss wechselte ich in den Jugendbereich, seit 2014 bin ich Mit-Leiterin des Berufslaufs (grundbildung@berufslauf.ch).

Weshalb wirkst du freiwillig als Mentorin bei Job Caddie?

Ich suchte damals einen Ausgleich zu den Jugendlichen, die in der Regel erfolgreich unterwegs waren. Ich entschied mich bewusst, freiwillig junge Erwachsene mit Schwierigkeiten zu begleiten. Das Mentoring ist eine gute Methode: Eine Mentorin oder ein Mentor bei Job Caddie hat einen ganz anderen Ansatz als eine Fachperson aus dem Jugendbereich: Sie oder er ist ein normaler Berufsmensch, nicht unbedingt mit einem psychologisch geschulten Hintergrund.

Wie viele Mentees hast du bereits begleitet? Welches Mentorat hat dich speziell gefreut?

Ich hatte bisher zirka 10-15 Mentorate. Ich bin die meiste Zeit im Einsatz, manchmal dauern die Mentorate kürzer, manchmal länger. Die Geschichte von G. hat mich am besten beeindruckt, weil sie aufzeigt, wie eine Begleitung plötzlich anders aussehen kann: G. besuchte eine Integrationsklasse, weil er noch nicht lange in der Schweiz war und suchte ein Praktikum im IT-Bereich. Der für ihn zuständige Mentor gelangte an mich, ob die Firma, in welcher ich damals tätig war, ihm einen Praktikumsplatz anbieten könnte. Nach langer Überzeugungsarbeit mit meinem Chef durfte er dann dort ein Praktikum absolvieren. Er arbeitet heute immer noch dort: als Festangestellter in der Buchhaltung. Dank dieser Chance konnte er richtig Gas geben. Mit seinem Mentor steht er heute noch in Kontakt. Zwischenzeitlich spricht er perfekt Schweizerdeutsch.

Welches Mentorat hat dich am meisten beeindruckt und herausgefordert?

Einmal hatte ich ein richtiges Aha-Erlebnis. Ich traf mich einmal wöchentlich mit meinem Mentee, der immer schön brav an die Treffen kam. Ich konnte machen, was ich wollte, er kam nicht aus seiner Komfort-Zone heraus, er kam nie in die Handlung rein. Er erledigte die zusammen festgelegten Aufgaben einfach nicht. Ich besprach diesen Fall dann in der Gruppensupervision. Die Supervisorin meinte, er müsse ja gar nicht raus bei mir, ihm sei es offenbar angenehm, es gebe für ihn wohl keine Beweggründe, etwas an der Situation zu ändern. Das nächste Mal, als er kam, war ich streng und er kam nie wieder. Ich habe daraus folgende Lehre gezogen: Manchmal muss man erkennen, dass jemand vielleicht gar noch nicht parat ist, dass man Dinge von ihm oder ihr verlangt, die für ihn oder sie gar noch nicht möglich sind. Das Gehenlassen, das habe ich gelernt und zudem, dass es o.k. ist so. Wir hätten jahrelang so weitermachen können, ohne dass sich die Situation geändert hätte. Dieses Erkennen war das Beeindruckende, aber natürlich ist es am schönsten, wenn mir ein oder eine Mentee eine SMS schreibt, dass er oder sie eine (neue) Lehrstelle hat und/oder dass es dank unserer Intervention zu keiner Lehrvertragsauflösung gekommen ist. Einmal unterstützte ich eine Mentee (Pflegeassistenz). Ich lernte mit ihr Berufskunde, weil sie schlecht an der Berufsschule war und sonst die Lehrestelle verloren hätte. Für eine Prüfung musste sie verschiedene Putzmittel kennen: Die junge Erwachsene war ganz in ihrem Element, wir haben zusammen auf diese Putzmittelprüfung gelernt – das fand ich erhellend. Ich selber war ja nur immer eine halbe Seite weiter als sie, weil ich sie abfragte. Ich lernte einerseits viel über Putzmittel und andererseits wurde sie besser in Berufskunde. Sie hätte die Lehrstelle sonst verloren.

Was nimmst du als persönlichen Gewinn aus jenem Mentorat mit?

Pure Freude. Es war der Plausch, sie kam immer wieder, brachte ihre Sachen mit und ging mit grossen Schritten weiter. Sie brauchte mich auch nicht lange, nur eine kurze Zeit, dann war sie wieder „eingespurt“.

Michèle Uffer engagiert sich seit 2013 freiwillig als Mentorin bei Job Caddie

Das Interview führte Claudia Manser, Programmleiterin bei Job Caddie: www.jobcaddie.ch

Seit 3 Monaten gibt es Job Caddie auch im Kanton Zug. Inzwischen sind zwei Dutzend Mentorinnen und Mentoren geschult und die ersten Mentorate am Laufen. Der umsichtigen Vernetzungsarbeit kommt besondere Bedeutung zu.

zugSeit September 2015 läuft ein dreijähriger Pilotversuch, das Mentoringprogramm Job Caddie neu auch im Kanton Zug zu etablieren. Die örtliche Gemeinnützige Gesellschaft Zug ist Trägerin des Projekts, Sybille Köpfli leitet es. Eingebettet ist es in die seit 1995 erfolgreich tätige Sozialfirma GGZ@Work. Diese bietet einerseits zahlreiche Dienstleistungen für Firmen, Private und die Öffentlichkeit an, andererseits Beratung, Beschäftigung und Vermittlung von Stellensuchenden. Job Caddie ergänzt als neuestes Angebot die breite GGZ@Work-Palette.

Jugendliche und junge Erwachsene werden von freiwillig tätigen Mentorinnen und Mentoren während und nach der Lehre unterstützt. Individuell, branchenbezogen, niederschwellig, kostenlos.

Die ersten Erfahrungen zeigen, dass die Nachfrage nach dieser besonderen Art der Unterstützung auch im Kanton Zug gefragt ist.

Da gibt es den jungen Laboranten zu Beginn des zweiten Lehrjahrs, bei dem sich immer klarer abzeichnet, dass er offensichtlich den falschen Lehrberuf gewählt hatte. In den spezifischen Berufsschulfächern ist er eher schwach, die geforderte hoch präzise Arbeit im Betrieb fällt ihm immer noch schwer. Der vorbildliche Lehrbetrieb gibt ihm die Chance und die nötige Zeit, sich neu zu orientieren. Eine erneute Abklärung im Berufsinformationszentrum ergab, dass für ihn, der kommunikativ auffallend stark ist, ein Lehrberuf mit direktem Kundenkontakt wohl besonders geeignet wäre. Seine Mentorin arbeitet selber seit langen Jahren im Detailhandel und unterstützt ihn nun bei den Bewerbungen für eine Detailhandelslehre.

Da gibt es die junge Frau, die erfolgreich eine kaufmännische Lehre im Treuhandbereich abgeschlossen hat und nun ihre erste Festanstellung sucht. Bisher erhielt sie lauter Absagen. Liegt es an den nicht gerade blendenden Noten bei der Lehrabschlussprüfung? Daran, dass sie sich auf „falsche“ Stelleninserate bewirbt? Dass ihr Motivationsschreiben und CV nichtssagend seien, wie eine Kollegin meinte? Mit ihrem Mentor, der heute in einem KMU eine leitende Funktion hat, ursprünglich selber mal das KV machte, bespricht sie nun diese Fragen.

Das Interesse bei potentiellen Mentorinnen und Mentoren war schnell geweckt. In zwei ganztägigen Schulungen sind bereits zwei Dutzend Mentorinnen und Mentoren auf ihre Arbeit vorbereitet worden. Beruflich gehe es ihnen – inzwischen – gut und sie seien bereit, beruflich momentan weniger Glücklichen unter die Arme zu greifen. So formulieren die meisten Mentorinnen und Mentoren ihre Motivation, sich freiwillig zu engagieren. Die einen hatten selber auf ihrem beruflichen Weg Personen, die sie unterstützten. Andere eben gerade nicht. Die genossene Unterstützung nun selber zu leisten beziehungsweise die vermisste Unterstützung nun erst recht jemand anderem zukommen zu lassen: das sei Antrieb für sie.

Sybille Köpfli knüpft als Projektleiterin die Kontakte mit anderen kantonalen oder privaten Stellen, aber auch mit Firmen beziehungsweise Arbeitgebern. Job Caddie soll als Angebot etabliert werden, das niederschwellige, pragmatische und kostenlose Unterstützung anbietet. Eine Unterstützung, von welcher nebst den Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht zuletzt auch Lehrbetriebe profitieren können.

Job Caddie wird für die Jahre 2014 bis 2017 vom Staatssekretariat für Migration SEM (vormals BFM) teilfinanziert. Neu gibt es Job Caddie auch im Kanton Zug.

Marktanalyse für Mentoringprogramme Im Rahmen eines halbjährigen Praktikums hat Job Caddie eine Bestandsaufnahme der bestehenden Berufsintegrationsangebote in allen Schweizer Kantonen gemacht. Und zwar sowohl für die bisherigen Job-Caddie-Zielgruppen als auch für potenziell neue, wie zum Beispiel über 50-jährige stellenlose Arbeitnehmende. Das Angebot variiert von Kanton zu Kanton stark. Beim Übergang von der Volksschule in die Berufslehre gibt es viele staatliche und private Angebote. Für die Phase während und nach der Lehre fehlen sie häufig. Insbesondere Angebote, die auf Mentoring mit Freiwilligen setzen, gibt es auch für mögliche neue Zielgruppen nur vereinzelt. In Kantonen ohne Mentoringprogramme bzw. mit kleinen Unterstützungsangeboten sucht Job Caddie in den nächsten zwei Jahren Partner, die Interesse am (Mit-)Aufbau weiterer Job-Caddie-Standorte haben.

Job Caddie neu im Kanton Zug
Dem Entscheid der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug (GGZ) ging eine halbjährige Vorprojektphase voraus. Es wurde abgeklärt, ob auch im Kanton Zug der Bedarf für ein Job-Caddie-Mentoring ausgewiesen ist. Resultat: Es gibt zwar staatliche und private Fachstellen, die Jugendliche beim Übergang zwischen Volksschulabschluss und Berufslehre unterstützen. Keine spezifischen Angebote aber gibt es für jene, die Probleme während der Berufslehre haben oder deren Lehrvertrag aufgelöst wird. Ebenso wenig für junge Berufsleute, die nach Abschluss der Lehre Schwierigkeiten haben, eine erste Festanstellung zu finden. Es fehlt auch ein Unterstützungsangebot für junge Erwachsene, die eine erste Lehre überhaupt in Angriff nehmen oder eine einmal abgebrochene Lehre zu Ende führen wollen.
Die Erfahrungen von Job Caddie im Grossraum Zürich zeigen seit nunmehr sechs Jahren, dass in all diesen Situationen eine Mentoratsunterstützung in rund drei Viertel der Fälle wesentlich dazu beiträgt, dass die angestrebte berufliche Lösung gefunden werden kann. Die Gemeinnützige Gesellschaft Zug ist seit vielen Jahren Trägerin der Institution ggz@work, die eine breite Palette von Dienstleistungen im Bereich Berufsintegration anbietet. Job Caddie Zug wird in dieses bestehende Angebotsnetz integriert und kann so von der ausgezeichneten Vernetzung profitieren.

Job Caddie hat sich im Kanton Zürich definitiv etabliert. Die Zusammenarbeit mit staatlichen und privaten Amts- und Fachstellen hat sich bestens eingespielt. Mehrere hundert Jugendliche fanden dank Job Caddie wieder eine Lehrstelle oder überhaupt zum ersten Mal Eingang in die Arbeitswelt. Neu erhält Job Caddie Bundesgelder für junge Migranten und Migrantinnen, die das Angebot in Anspruch nehmen. Mit den Bundesgeldern werden für die Jahre 2014 bis 2017 Mentoring-Fachstellen gefördert, die spezifisch (junge) Menschen mit Migrationshintergrund bei der beruflichen und sozialen Integration unterstützen. Für Job Caddie war es bislang eine Selbstverständlichkeit, Mentees mit oder ohne Migrationshintergrund zu unterstützen. Dies soll auch künftig so bleiben. Im Sinne des nationalen Förderungsschwerpunktes wird die Programmleitung jedoch ab 2015 bei den jungen Erwachsenen ihren Aufenthaltsstatus statistisch erfassen. Weitere Informationen: www.jobcaddie.ch

Die Unterstützung durch Job Caddie ist kostenlos. Und zwar unabhängig davon, ob wir Sie wenige Wochen oder einige Monate begleiten. Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft SGG finanziert Job Caddie, weil sie es wichtig findet, dass Jugendliche und junge Erwachsene mit Schwierigkeiten während oder nach der Lehre unterstützt werden.