2. Februar 2022

VoloWork: Wie sind Beruf und Freiwilligenarbeit besser zu vereinen?

Die Vereinbarkeit von Freiwilligenarbeit und Beruf ist eine Herausforderung. Nach der Studie «PoliWork» zur Vereinbarkeit von Beruf und Politik fokussiert die ergänzende neue Studie «VoloWork» auf die Förderung von Freiwilligenarbeit durch Unternehmen. Im Auftrag der SGG und weiteren Organisationen hat die Fachhochschule Graubünden über 500 Unternehmen befragt und erhebliches Potenzial eruiert.

Die wissenschaftliche Studie «VoloWork» umfasst unter anderem eine Analyse statistischer Daten aus dem Freiwilligenmonitor 2020 und der Unternehmensbefragung aus dem Projekt PoliWork, einer repräsentativen Befragung von über 500 Unternehmen. Daraus lassen sich zentrale Erkenntnisse zum Zusammenspiel von Erwerbsarbeit und Freiwilligenarbeit ableiten. Hier eine kurze Zusammenfassung:

  1. Viele Arbeitnehmende engagieren sich, aber Potenzial ungenutzt: Bereits heute engagieren sich gut 2 Mio. Erwerbstätige ab 15 Jahren freiwillig. Rund 18% aller Erwerbstätigen sind in der formellen Freiwilligenarbeit tätig. Das Rekrutierungspotenzial i.e.S. wird damit zu 39.4% ausgeschöpft. D.h. das unrealisierte Rekrutierungspotenzial beläuft sich auf 1.29 Mio. Erwerbstätige. Entsprechend ist unter den Arbeitnehmenden der Schweiz ein erhebliches Potenzial für mehr Freiwilligenarbeit festzustellen.
  2. Vereinbarkeit von Beruf und Freiwilligenarbeit fordert Arbeitnehmende heraus: Gemäss den befragten Arbeitnehmenden geben ihre Arbeitgebenden selten den entscheidenden Anstoss, freiwillige Tätigkeiten zu übernehmen. Gleichzeitig sind berufliche Gründe die häufigste Ursache für einen Rückzug aus der Freiwilligenarbeit. Und die zeitliche Belastung nennen die Arbeitnehmenden am meisten als Grund, wieso sie von einem freiwilligen Engagement absehen.
  3. Unternehmen unterstützen Freiwilligenarbeit häufig und vielfältig, aber wenig spezifisch: Ein Grossteil der Unternehmen unterstützt die Freiwilligenarbeit ihrer Mitarbeitenden. Rund 62% der Unternehmen haben konkrete Massnahmen für die Förderung der formellen und 33% für die informelle Freiwilligenarbeit umgesetzt. 54% unterstützen zudem Personen mit familiären Betreuungsaufgaben. Am meisten ermöglichen die Unternehmen in der Schweiz flexible Arbeitszeiten. Gleichzeitig sind Massnahmen, die mit höheren Kosten verbunden wären (z.B. bezahlte Absenzen, Netzwerk-Events und angepasste Leistungsziele für Freiwillige), wenig verbreitet. Insgesamt bleiben die Massnahmen allgemein, wenig auf das freiwillige Engagement ausgerichtet und aus Sicht der Arbeitnehmenden teilweise lückenhaft.
  4. Neues Handlungsfeld im Kampf um (junge) Talente, Wertschätzung erhöhen: Sinnstiftende Arbeit, vielfältige berufliche und gesellschaftliche Engagements sind im Trend. Daraus erheben sich neue Möglichkeiten für Unternehmen, sich im Kampf um (junge) Talente und andere Leistungsträger:innen zu positionieren. Dies setzt voraus, dass Unternehmen die Freiwilligenarbeit wertschätzen. Hier besteht Verbesserungspotenzial: Weniger als 50% der Unternehmen ermuntern ihre Mitarbeitenden zur Freiwilligenarbeit, während über 20% der Freiwilligen der Ansicht ist, dass bezüglich Wertschätzung ihres Engagements in ihrem Unternehmen Verbesserungen möglich wären. Gerade die Wertschätzung und Anerkennung der Freiwilligenarbeit wären kostengünstig, zugleich sehr motivierend und daher wirkungsvoll.

Die SGG hat diese Studie mitfinanziert und begleitet. Laden Sie die Studie kostenlos herunter auf poliwork.fhgr.ch/volowork

 

Berichterstattung zur Studie

Einige Medien haben über die Studie berichtet: