SGG in der Corona-Pandemie: Virus bescherte Mehrarbeit

Viele Unternehmen und Organisationen mussten wegen Corona ihre Tätigkeit unterbrechen oder reduzieren. Die SGG hatte wegen Corona zusätzliche und ausserordentliche Aufgaben und konnte mit ihren Projekten in mehreren Bereichen hilfreich mitwirken.

Viele Unternehmen und Organisationen mussten wegen Corona ihre Tätigkeit unterbrechen oder reduzieren. Die SGG hatte wegen Corona zusätzliche und ausserordentliche Aufgaben und konnte mit ihren Projekten in mehreren Bereichen hilfreich mitwirken.

Die SGG stellte wie die meisten Unternehmen und Organisationen von einem Tag auf den anderen auf Home-Office um und kommunizierte via Video-Konferenzen. Dies gelang einwandfrei, weil die meisten Mitarbeitenden schon früher regelmässig daheim oder unterwegs arbeiteten. Die SGG musste zahlreiche Veranstaltungen absagen oder verschieben: Tagungen, Workshops, Sitzungen, die GV sowie die 1.August-Feier auf dem Rütli. In mehreren Bereichen war die SGG durch Corona speziell herausgefordert.

Föderalismus auf Kosten der Verletzlichsten?
Weil die Sozialhilfe in der Schweiz kantonal und kommunal organisiert ist, konnte und kann Bund in der Corona-Krise ausgerechnet Armutsbetroffene nicht zusätzlich unterstützen. Und weil der Staat den Sans-Papiers höchstens Nothilfe gewährt, wandten sich diese während Corona noch stärker an die Hilfswerke. Auch notleidende Niedergelassene, die sich nicht bei der staatlichen Sozialhilfe melden wollen, wandten sich in grosser Zahl an private Förderorganisationen. Die SGG und andere Organisationen, die Armutsbetroffene unterstützen, erhielten während des Lockdown besonders viele Hilferufe von Personen aus den Kantonen Waadt, Genf und Tessin, weil dort zahlreiche kommunale Sozialfachstellen wegen Ansteckungsgefahr ihre Tore schlossen und für Notleidende nicht erreichbar waren. Um die Not und die Unterstützung der Bedürftigsten in der Schweiz im Kontext von Covid-19 zu erörtern, initiierte und moderierte die SGG im Mai eine Videokonferenz der grösseren Schweizer Hilfswerke mit der SKOS, der SODK-Geschäftsstelle sowie der Schnittstelle zum bundesrätlichen Krisenstab. Es zeigte sich einmal mehr, dass der Bund für die verletzlichsten Glieder der Gesellschaft wenig tun kann. Der Ball liegt bei den Kantonen und Gemeinden, was landeweit zu signifikanten Rechtungleichheiten im Bereich der Sozialhilfe führt. Die Corona-Pandemie zeigte einmal mehr, dass ein nationales Rahmengesetz in der Sozialhilfe dringend nötig wäre.

«Five up» erweist sich als ideales Krisen-Tool
Die von der SGG und dem Schweizerischen Roten Kreuz getragene Freiwilligen-App «Five up» konnte im Laufe der Corona-Krise einen enormen Wachstumsschub verzeichnen und den Nutzen der Plattform insbesondere in den Nachbarschaftshilfe unter Beweis stellen. Innerhalb von 4 Wochen hat sich die digitale Gemeinschaft um 65’000 Nutzer erweitert und es wurden mehr als 3400 öffentliche und private Gruppen mit bis zu 830 Mitgliedern erstellt. Zudem wurden alle Funktionen der App in ein einer Web-Version auch auf dem Computer verfügbar gemacht. Five up konnte das Unternehmen Lidl bis März 2021 für eine nachhaltige Sponsoring-Partnerschaft gewinnen. Die SGG und das SRK unterstützten Five up in der Corona-Zeit mit zusätzlichen finanziellen Mitteln. Und seit 1. Mai hat die SGG-Mitarbeiterin Renata Kubova die Öffentlichkeitsarbeit und die Werbung von Five up übernommen.

«SeitenWechsel» basiert ganz auf analogen Begegnungen
Als der Bundesrat am 16. März die «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiegesetz erklärte, waren die ersten 5-tägigen SeitenWechsel-Einsätze von Führungskräften der Wirtschaft in sozialen Institutionen bereits verschoben worden. Der erste abgesagte Einsatz betraf das Tessin, danach folgten die Absagen schweizweit in rascher Folge, bis schliesslich die meisten der geplanten Einsätze bis Juni auf Eis gelegt waren. Viele Grossunternehmen hatten schnell reagiert und oft Weisungen herausgegeben, wonach die Teilnahme an Kursen ausserhalb des Unternehmens nur noch sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich war. Dies betrifft die Weiterbildung SeitenWechsel im Kern, weil sie von persönlichen Begegnungen beim Einsatz in einer sozialen Institution lebt. Auch viele soziale Institutionen schlossen zum Schutz ihrer Klienten die Tore für alle, die nicht direkt bei ihnen angestellt waren, so dass keine SeitenWechsel-Einsätze mehr möglich waren. Viele der sozialen Institutionen, mit denen SeitenWechsel zusammenarbeitet, sind Arbeits- oder Wohnorte für Risikogruppen und somit während der Corona-Zeit besonders vulnerabel. Die Programmleitenden von SeitenWechsel rechnen damit, dass ab Herbst bei einigen Institutionen Einsätze wieder möglich sind, wenngleich unter strengen Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen Erfreulicherweise haben die meisten Unternehmen bereits Ersatzdaten für geplante Weiterbildungen ihrer Kaderleute vereinbart.

Job Caddie befürchtet Wiederholung von 2008
Falls die Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent wie vom SECO prognostiziert auf rund 4 Prozent steigen sollte, könnten landesweit über 6’000 Lehrstellen verloren gehen. Und weil in den kommenden Jahren geburtenstarke Jahrga?nge ihre Berufsausbildung beginnen werden, wird die Nachfrage nach Lehrstellen zusätzlich steigen. Insbesondere Jugendliche mit Lernschwächen werden Nachteile aus der Zeit des Lockdowns erfahren, weil es ihnen schwerer fiel, selbständig zuhause zu lernen. Zudem wird befürchtet, dass das diesjährige Lehrabschlusszeugnis von Arbeitgebern als weniger aussagekräftig erachtet wird, weil die schriftlichen Prüfungen zum Abschluss der Berufslehre entfallen. Die SGG hat Job Caddie während der letzten Wirtschaftskrise vor 12 Jahren ins Leben gerufen, weil es damals für junge Berufseinsteiger*innen sehr schwierig war, eine Festanstellung zu finden. Nun ist damit zu rechnen, dass der Unterstützungsbedarf von jungen Erwachsenen rund um den Berufseinstieg wiederum zunehmen und das freiwillige Engagement aus der Zivilgesellschaft erneut sehr gefragt sein wird.

Intergeneration fördert soziale Nähe bei «physical distance»
In den letzten Jahren haben sich immer mehr Menschen für intergenerationelle Aktivitäten interessiert. Es ist eine Vielfalt von Generationenprojekten entstanden. Umso trauriger war und ist es, dass der Corona-Virus physische Distanz notwendig machte statt soziale Nähe durch generationenverbindende persönliche Kontakte zu schaffen. Zudem wurde in den Medien und in der Öffentlichkeit das Thema Generationensolidarität mehrfach als wachsendes Problem hochstilisiert. Die SGG-Plattform Intergeneration bemüht sich in dieser wohl noch länger anhaltenden Ausnahmesituation die sozialen Kontakte und den sozialen Zusammenhalt der Generationen mit Fantasie und Innovationslust zu bereichern. Soziale Nähe in Zeiten der physischen Distanz verlangt nach neuen und kreativen Ideen, Initiativen und Projekten. Auf der Plattform Intergeneration gibt es darum eine Übersicht mit Angeboten und Hilfe-Stellungen sowie einer Sammlung mit Ideen und Anregungen für soziale Kontakte.

Projektesammlung «Coronavirus»: www.intergeneration.ch/de/generationenprojekte

Blogs mit Anregungen und Hilfe-Stellungen: www.intergeneration.ch/de/blog