Neues SGG-Präsidium: Ein Millennial am Ruder

Die SGG-Mitglieder haben an einer schriftlich durchgeführten GV ihr neues Vereins-Präsidium gewählt. Nicola Forster gehört mit Jahrgang 1985 der sogenannten «Generation Y» an, auch bekannt als «Millennials». Ein Interview mit dem frischgebackenen SGG-Präsidenten.

Nicola Forster, Du bist der neue SGG-Präsident. Zuerst einmal herzliche Gratulation zur Wahl. In einer kurzen Videobotschaft stellst Du Dich vor. 

Der neue SGG-Präsident Nicola Forster schaut in die Zukunft

Nicola Forster bringt die SGG jungen Generationen näher (Video auf Schweizerdeutsch)

Tagesgespräch mit Nicola Forster im Radio SRF1 mit Iwan Lieberherr:

Nicola Forster, der neue Präsident der SGG – Radio – Play SRF

Medienmitteilung

 

Dein CV ist beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, dass Du 35 Jahre jung bist. Du bist Jurist, Präsident der Stiftung «Science et Cité», Vorstandsmitglied der Akademien der Wissenschaften Schweiz, Mitglied der Schweizerischen UNESCO-Kommission, Mitgründer von «foraus», «Operation Libero» und «Staatslabor», Co-Präsident der kantonalzürcherischen Grünliberalen, vernetzt in Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik sowie bewandert in der digitalen Welt. Was fehlt Dir in der Aufzählung, um Dein Wesen noch etwas besser zu beschreiben und zu verstehen?

Danke für die vielen Lorbeeren. Ich hoffe insbesondere, dass ich trotz all der Funktionen auch ein einigermassen angenehmer Zeitgenosse bin! (lacht) Ein wichtiger Charakterzug von mir ist wohl, dass ich es liebe, mit viel Energie gemeinsam anzupacken und sinnvolle Projekte auf die Beine zu stellen. Ich bezeichne mich deshalb als eine Art zivilgesellschaftlichen Unternehmer. Neben meinen diversen Engagements für die Gesellschaft arbeite ich als Moderator und Innovationsberater im In- und Ausland. Entsprechend leide ich aktuell wie viele andere auch unter der Coronakrise… Da ich mehrere Jahre in der Romandie und im Ausland studiert, gelebt und gearbeitet habe, blicke ich zudem gerne und häufig über den Zürcher Tellerrand hinaus. Das “S” in SGG betont ja den gesamtschweizerischen Charakter der Organisation; das passt ausgezeichnet zu meinem bisherigen Weg, wie übrigens auch zu unserem bisherigen Präsidenten Jean-Daniel Gerber, dem ich an dieser Stelle ganz herzlich danken möchte für sein grosses Engagement für die SGG!

Die SGG hat erstmals in ihrer Geschichte das präsidiale Amt öffentlich ausgeschrieben. Warum hast Du Dich für diese Aufgabe beworben?

Mich beeindruckt, dass die SGG mit ihrer bis ins Jahr 1810 zurück reichenden Geschichte schon immer eine Vordenkerin und Vorspurerin für gesellschaftspolitische Reformen war. So hat sie bereits im 19. Jahrhundert für eine unentgeltliche Bildung für Kinder gesorgt und sich im 20. Jahrhundert für die Gründung der AHV und von Pro Senectute engagiert, als die Altersarmut ein immer grösseres Thema wurde. Heute würde man der SGG wohl neudeutsch “Think & Do Tank” sagen. Als Gründer des Think Tanks foraus (Forum Aussenpolitik) interessierte mich die SGG schon lange. Ich musste darum nicht lange überlegen, als ich die Ausschreibung des Präsidiums in der NZZ sah.

Wie nimmst Du die SGG heute wahr? Welches ist ihre Einzigartigkeit, welches sind ihre besonderen Stärken und Chancen?

Die SGG hat eine grossartige Tradition, auf der sie aufbauen kann. Dies legitimiert sie aktuell sowie auch in Zukunft, alle Akteurinnen und Akteure der Gesellschaft an einen Tisch zu holen, um überparteiliche und Sektor-verbindende Lösungen zu den wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen zu erarbeiten. Für die Erforschung und Förderung der Freiwilligenarbeit wird die SGG heute landesweit geschätzt. Mit der Einzelfallhilfe für Armutsbetroffene und verschiedenen Programmen wie Job Caddie, Seitenwechsel oder Intergeneration ist die SGG neben der Unterstützung von Projekten Dritter heute auch selber stark operativ tätig, was ich wichtig finde. In einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist die SGG als Veranstalterin der Bundesfeier am 1. August auf dem Rütli sowie als Initiantin des neuen Texts für die Nationalhymne. Diesbezüglich freue ich mich besonders, dass wir am nächsten 1. August mit den grossen Frauenorganisationen 50 Jahre Frauenstimmrecht feiern können – und damit einen zentralen Meilenstein der Demokratie und der Gleichstellung in der Schweiz!

Auf welche gesellschaftlichen Veränderungen, Entwicklungen und Herausforderungen der kommenden Jahre sollte die SGG speziell reagieren bzw. proaktiv agieren?

Die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des zivilgesellschaftlichen Engagements bieten der SGG eigentlich bereits genügend Aufgaben für das ganze 21. Jahrhundert… Die Zukunft unserer Demokratie ist mir persönlich ein grosses Anliegen, das wir künftig sicher stärker betonen werden. Die Digitalisierung bringt uns heute innovative Möglichkeiten der Partizipation, die wir noch viel zu wenig nutzen. Wenn aktuell rund 25% unserer Bevölkerung keine Stimme haben, müssen wir neben dem “formellen” Ausländer*innenstimmrecht auch weitere Beteiligungsmöglichkeiten diskutieren, damit alle in der Schweiz lebenden Menschen die Zukunft unserer Gesellschaft mitgestalten können. Neben ihren positiven Seiten kann die Digitalisierung mit ihren neuen Arbeitsmodellen auch zu einer neuen Prekarisierung führen. Dies müssen wir unbedingt verhindern, wobei die SGG als Dialogplattform eine wichtige sozialpolitische Rolle spielen kann. Auch der Klimawandel bringt riesige gesellschaftspolitische Herausforderungen mit sich, die wir möglichst bald angehen müssen. Als Vertreter einer jüngeren Generation ist es mir ausserdem wichtig, dass wir mit der SGG Zugänge für junge Menschen anbieten. Dafür sollten wir durchaus auch mal etwas wagen und mit innovativen Formaten experimentieren. Die SGG ist vielleicht eine uralte Tante – aber definitiv “young at heart”! (lacht)

Wo sollte die SGG im Jahr 2030 stehen?

Ich sehe die SGG in Zukunft wieder als eine zentrale Reformkraft unseres Landes. Sie soll zeigen, dass die Zukunft der Schweiz und unserer Gesellschaft gestaltbar ist, wenn wir gemeinsam konstruktiv anpacken. Dafür muss sich die SGG als offene, agile Organisation mit Andockstellen und Mitmachmöglichkeiten für die gesamte Zivilgesellschaft aufstellen. Ich hoffe sehr, dass ich dazu einen Beitrag leisten kann.

Was ist Dir sonst noch wichtig zu sagen als neuer SGG-Präsident?

Mit der SGG möchte ich Hand bieten für partnerschaftliche Kooperationen mit allen gesellschaftlichen Sektoren: Politik und Verwaltung, Medien und Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Innerhalb der Zivilgesellschaft will die SGG bereits im Sommer 2021 ein Netzwerk der Gemeinnützigen Gesellschaften in der Schweiz schaffen, um die partnerschaftliche Zusammenarbeit unter den GGs zu stärken. Es gibt viel zu tun, und ich freue mich darauf!