Neue Schweizer Nationalhymne

So wie sich erfolgreiche Firmen regelmässig mit ihrem Leitbild auseinandersetzen, wäre es für das Gemeinwohl der Schweiz eine Chance, sich künftig regelmässig auf ihr gemeinsames Leitbild zu besinnen. Möglich wäre dies mit einer neuen Nationalhymne, deren Text auf der Präambel der Schweizer Bundesverfassung basiert. Die SGG will mit dem Projekt für eine neue Nationalhymne den Kitt zwischen den Sprachregionen stärken.

So wie sich erfolgreiche Firmen regelmässig mit ihrem Leitbild auseinandersetzen, wäre es für das Gemeinwohl der Schweiz eine Chance, sich künftig regelmässig auf ihr gemeinsames Leitbild zu besinnen. Möglich wäre dies mit einer neuen Nationalhymne, deren Text auf der Präambel der Schweizer Bundesverfassung basiert. Die SGG will mit dem Projekt für eine neue Nationalhymne den Kitt zwischen den Sprachregionen stärken.

[nbsp]„La Suisse n’existe pas“ war nicht nur der Slogan am Schweizer Pavillon der Weltausstellung vor 23 Jahren. Die Frage, was denn die Schweiz im tiefsten zusammenhält, flammt auch heute immer wieder auf. Die Romandie und der Ticino lassen sich kulturell mehr von Lyon und Paris, Mailand und Rom inspirieren als von Zürich, Bern und Basel. Und wenn Zürcher nach Abstimmungen schimpfen, die Welschen seien weniger patriotisch als die Bewohner der „suisse alémanique“, so trägt dies wenig zur „internen Kohäsion“ der Schweiz bei, wie sie interessanterweise nur in der italienischen Version der Verfassungspräambel vorkommt. In den drei anderen Landessprachen wurde dieser Wert in einer der zahlreichen Redaktionsrunden offenbar gestrichen.

Der SGG ist es seit ihrer Gründung im Jahr 1810 ein Anliegen, dass die Schweiz als Land und Gesellschaft die Einheit in der Vielfalt und Verschiedenheit pflegen und entfalten kann. Wie in jeder Paarbeziehung braucht auch eine Gesellschaft ein gesundes Mass an Gemeinsamkeit und Einheit, um mit den Verschiedenheiten tolerant und konstruktiv umgehen zu können und die Unterschiede als Bereicherung zu erleben. Dass die SGG seit 1860 das Rütli verwaltet und dort am 1. August die Bundesfeier organisiert, gehört zur bewussten Pflege des Gemeinsamen und Verbindenden. Die Festrede hielten von 1952 bis 2003 meistens Innerschweizer Männer. 2012 und 2014 referierten erstmals Romands. Tessiner und Rätoromanen sind geplant.

Das Hymne-Projekt soll ebenfalls dem Zusammenhalt der Schweizer Gesellschaft dienen. Die Textgrundlage der neuen Nationalhymne soll die Präambel der Bundesverfassung von 1999 sein. In dieser sind die zentralen Werte unserer Gesellschaft in knapper und ansprechender Form genannt:

Im Namen Gottes des Allmächtigen!
In der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,
im Bestreben, den Bund zu erneuern (und den inneren Zusammenhalt zu festigen),
um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken, im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben,
im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen, gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und gewiss, dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen, geben sich das Schweizervolk und die Kantone folgende Verfassung

Jedes Unternehmen, jede Schule und jedes Krankenhaus erarbeitet heute in einem langwierigen Prozess ein Leitbild. Manche nennen es auch neu-lateinisch „Vision and Mission“, wo die wichtigsten Ziele und Werte des Miteinanders formuliert werden. Meistens werden für den Entstehungsprozess des Leitbilds externe Fachleute beigezogen und Workshops veranstaltet. Steht aber das fertig formulierte Dokument, ist es kaum mehr wert als das Papier, weil es in den Schubladen verschwindet und in Vergessenheit gerät. Mit dem Projekt „Neue Schweizer Nationalhymne“ will die SGG das Leitbild der Schweiz, das in der Präambel der Bundesverfassung formuliert ist, nicht in Vergessenheit geraten lassen, sondern zu einem lebendigen Bestandteil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens machen. Die SGG hat für Schulen Impulsfragen erarbeitet, damit sich Schulklassen in verschiedenen Fächern mit dem Phänomen Nationalhymne im Allgemeinen und mit den Inhalten der Präambel im Speziellen auseinandersetzen können. Es gibt eine Vielzahl von Fragen, die sich im Zusammenhang mit einer neuen Schweizer Nationalhymne stellen:

  • Warum brauchen wir in einer globalisierten Welt noch Nationalhymnen?
  • Bei welchen Gelegenheiten sollten Nationalhymne gesungen werden?
  • Welche Botschaft sollen Nationalhymnen vermitteln?
  • In welchem historischen Kontext sind die meisten Hymnen entstanden?
  • Wie sind die verschiedenen Schweizer Nationalhymnen entstanden und wie haben sie sich entwickelt?
  • Von welchen Seiten wurden in den letzten 40 Jahren in der Schweiz neue Hymnetexte gefordert?
  • Wer soll über Änderungen einer Nationalhymne in der Schweiz entscheiden: Bundesrat, Parlament, Stimmberechtigte oder alle Einwohner?
  • Welche Argumente sprechen für oder gegen einen religiösen Bezug in der Schweizer Nationalhymne?
  • Wann ist der religiöse Bezug in der Hymne genügend gegeben? Muss Gott namentlich enthalten sein oder genügen christlich geprägte Werte?
  • Welches Gottesbild vermittelt die heutige Schweizer Nationalhymne, der Schweizerpsalm?
  • Wie gut gibt die Präambel der Schweizerischen Bundesverfassung die Werte der Schweiz wieder?
  • Wie lassen sich die schweizerische Identität und die zentralen Schweizer Werte am ehesten definieren und beschreiben?
  • Soll die Nationalhymne in der Schule regelmässig gesungen werden?
  • Sollte es für internationale Sportveranstaltungen eine englische Strophe geben?
  • Sollte es für internationale Sportveranstaltungen eine Strophe in der Hymne geben, in der jede Zeile in einer anderen Landessprache gesungen wird?
  • Welche musikalischen Kriterien hat eine Nationalhymne im Allgemeinen zu erfüllen?
  • Welche musikalischen Kriterien sollte die Schweizer Nationalhymne erfüllen?
  • Wie weit geben die Hymnetexte der verschiedenen Länder meiner Muttersprache oder in bestimmten Fremdsprechen die heutige Lebenssituation der Bewohnerinnen und Bewohner der Länder wieder?
  • Welche sprachlichen Kriterien muss eine Nationalhymne erfüllen?

Vielleicht können diese Fragen auch im familiären Kreis, am Stammtisch, an gesellschaftlichen Anlässen und in den Medien zu spannenden und wesentlichen Diskussionen und Debatten anregen.