Hilfe in Corona-Krise: Solidarität dank «Five up»

Die von der SGG und dem Schweizerischen Roten Kreuz unterstützte App “Five up” wurde zur Koordination von Freiwilligenarbeit entwickelt. In der Corona-Krise erweist sich die digitale Plattform nun als hervorragendes Mittel beim Organisieren und Koordinieren von Kinderbetreuung sowie Einsätzen in der Nachbarschaft.

Die SGG fördert seit 2018 zusammen mit dem Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) die Entwicklung der Freiwilligen-App «Five up», mit der Vereine und NGOs ihre Freiwilligen einfacher koordinieren und Einzelpersonen unkompliziert und gratis Freiwillige zum Kinderhüten oder für den Wohnungsumzug finden können. Kurz vor Ausbruch des Corona-Virus blickten SGG und SRK eher ernüchtert auf die Nutzung der App. Sechs Gründe erwiesen sich als hinderlich bei der Verbreitung des digitalen Hilfsmittels. Erstens suchen Freiwillige ihre unbezahlten Engagements nicht primär im Netz, sondern eher im lokalen Bereich durch persönliche Kontakte. Zweitens wollen Organisationen, die mit Freiwilligen wirken, ihre Freiwilligen-Netzwerke lieber in einer geschlossenen Gruppe koordinieren und nicht auf einer öffentlichen Plattform mit anderen Organisationen teilen. Drittens war das Angebot an Hilfeleistungen sehr viel grösser als der Bedarf. Auch Studien über Nachbarschaftshilfe in Deutschland bestätigen, dass bedürftige Menschen zuerst Unterstützung in Familie und Freundeskreis suchen, ehe sie Fremde in die Wohnung lassen oder ihnen die eigenen Kinder anvertrauen. Viertens bieten globale Unternehmen wie Doodle und WhatsApp Vernetzungs-Tools gratis an, die den spezifischen Bedürfnissen von NGOs immer mehr entsprechen. Fünftens tun sich Jung und Alt grundsätzlich etwas schwer, sich auf neue Hilfsmittel im digitalen Bereich einzulassen. Letztlich wünschten sich viele Organisationen eine eigene App, die unter ihrem Namen läuft und nicht nur als App auf dem Smartphone funktioniert, sondern auch eine Web-Version, die auf dem Computer funktioniert. Und sechstens erwies sich für die landesweite Verbreitung der App der helvetische Föderalismus in den Hilfswerken, Verbänden und Vereinen als Hindernis. Kantonale und regionale Sektionen bewegen sich oft keinen Zentimeter, nur weil jemand in der Berner oder Zürcher Zentrale findet, man müsse die neue App unbedingt einsetzen.

Ein Notnagel
Die einhellige Meinung der am Projekt «Five up» Beteiligten war: Nur wenn Schweizerinnen und Schweizer gezwungen sind, sich stärker und effizienter zu vernetzen, um eine bestimmte Not meistern zu können, werden sie für das freiwillige Engagement «Five up» nutzen. Niemand war sich aber bewusst, dass diese Not bereits drei Wochen später das ganze Land und die Welt in Form[nbsp]eines Virus erfassen würde. Als bekannt wurde, dass infolge des Corona-Virus die Schulen schliessen würden und zahllose Eltern die Betreuung ihrer Kinder ohne die Hilfe der Grosseltern würden organisieren müssen, boten SRK und SGG allen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie allen Einzelpersonen erneut die Möglichkeit an, die App kostenlos herunterzuladen. Die Medien und die öffentliche Hand haben den Ball aufgenommen und sorgten dafür, dass die Nutzerzahlen innert Stunden verzehnfacht wurden. Die SGG und die Stiftung Mercator reagierten postwendend und stellten zusätzliche Geldmittel zur Verfügung, um die von den Organisationen gewünschten technischen Anpassungen rasch und unkompliziert umsetzen zu können. Auch die Wirtschaft hat inzwischen den Wert von Five up entdeckt. Lidl, die Mobiliar und Peugeot unterstützen die Weiterentwicklung und die Verbreitung der App. Inzwischen wurde die App über 50’000 Mal heruntergeladen. Auf der offenen Plattform sowie in über 3’000 geschlossenen Gruppen werden bereits Freiwillige für mehr als 4’000 Dienste vermittelt.