Freiwilligenarbeit ist nicht gleich Freiwilligenarbeit

Drei englische Soziologinnen untersuchen die Freiwilligenarbeit bezüglich ihrer echten Freiwilligkeit. Sie stellen sehr unterschiedliche Gründe und Motive fest, die einen zur Freiwilligenarbeit bewegen. Darum schaffen sie die vier Kategorien altruistische, instrumentelle, militante und erzwungene „Freiwilligenarbeit“.

Drei englische Soziologinnen untersuchen die Freiwilligenarbeit bezüglich ihrer echten Freiwilligkeit. Sie stellen sehr unterschiedliche Gründe und Motive fest, die einen zur Freiwilligenarbeit bewegen. Darum schaffen sie die vier Kategorien altruistische, instrumentelle, militante und erzwungene „Freiwilligenarbeit“.
Die Forscherinnen Mihaela Kelemen, Anita Mangan und Susan Moffat thematisieren in ihrem Artikel „More Than a ‘Little Act of Kindness’? Towards a Typology of Volunteering as Unpaid Work” in der Zeitschrift “Sociology” eine wichtige Differenzierung der Freiwilligenarbeit. Sie reagieren mit dem Artikel auch auf die «Big Society»-Idee von Ex-Premierminister Cameron, die davon ausgeht, dass es ein unbegrenztes Reservoir an Goodwill in der Gesellschaft gibt, das es zur Förderung der Freiwilligenarbeit auszuschöpfen gelte.

Auf Grund einer qualitativen Studie gelangten die Soziologinnen zu vier Kategorien von Freiwilligenarbeit, wobei bei allen Formen gleichzeitig ein individueller und ein kollektiver Nutzen erzeugt werden kann. Auch sind fliessende Übergänge zwischen den verschiedenen Formen der Freiwilligenarbeit möglich.

Altruistische Freiwilligenarbeit: Freundschaftlicher Akt fürs Gemeinwohl

Instrumentelle Freiwilligenarbeit: Egotaktische Motive: Kompetenzerweiterung

Militante Freiwilligenarbeit: Zielorientierter Aktivismus

Erzwungene „Freiwilligenarbeit“: Auferlegte oder erwartete gemeinnützige Arbeit

Die drei Autorinnen zeigen auf, dass in den letzten 30 Jahren ein marktgetriebener Diskurs die Freiwilligentätigkeit in ein hegemoniales neoliberales Modell der Arbeit gepresst hat. Freiwilligenarbeit werde in der Literatur immer stärker nach ihrem volkswirtschaftlichen Nutzen thematisiert. Und die erzwungene Freiwilligenarbeit – mit dem Begriff „Voluntolding“ veranschaulicht – finde in immer versteckteren Formen statt: durch moralischen Druck im Corporate Volunteering, mit 1-Euro-Jobs, in unbezahlten Praktika, welche die Chance auf eine Arbeitsstelle erhöhen sollen, oder in Form des gemeinnützigen Dienstes als Alternative zu einer Geld- oder Gefängnisstrafe. Auf Grund all dieser kollektiven Zwänge und Herausforderungen gegenüber der unbezahlten Arbeit plädieren die Autorinnen dafür, dass bei der Freiwilligenarbeit die Motive Geselligkeit, Altruismus und Eigeninteresse wieder vermehrt in den Vordergrund gerückt werden.