1. August 2025
Bundesfeier auf dem Rütli: Vielfalt feiern, Zusammenhalt stärken
Rund 800 Gäste aus allen Landesteilen und Sprachregionen versammelten sich am 1. August auf dem Rütli zur diesjährigen Bundesfeier. Unter dem Motto «Einklang und Vielfalt» stand die sprachliche und gesellschaftliche Vielfalt der Schweiz im Mittelpunkt – sichtbar in der Plakatausstellung zu den Sprachen und Dialekten der Schweiz, hörbar im Bühnenprogramm und in der Musik, spürbar in den Gesprächen unter den Besucherinnen und Besuchern.
SGG-Präsident Anders Stokholm eröffnete die Feier mit einem Appell, die Verschiedenheit der Schweiz als Stärke zu begreifen: «Unsere Verschiedenheiten werden nicht als Trennendes verstanden, sondern zusammengebracht, weil daraus mehr entsteht: Unabhängigkeit, Freiheit, Geschwisterlichkeit – gerade heute auch als Zeichen gegen die Willkür.»
Das war auch ein Hinweis auf das Thema, das den Nationalfeiertag in diesem Jahr politisch überschattete: die Ankündigung von hohen Handelszöllen gegen die Schweiz durch US-Präsident Donald Trump. «Gerade an diesem für die Schweiz herausfordernden Tag schätzen wir Ihre Präsenz sehr», sagte Stokholm an die Adresse der Festrednerin, Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter.
Video-Impressionen
Keller-Sutter erinnerte in ihrer Ansprache daran, dass die Schweizer Geschichte immer vom Bemühen um gegenseitiges Verständnis geprägt gewesen sei, trotz der vielen unterschiedlichen Sprachen und Idiome. «Dieses gegenseitige Verständnis gehört zu dem, was uns verbindet und das wir heute in der ganzen Schweiz feiern.» Die Bundespräsidentin betonte zudem die verbindenden Werte der Schweiz – Solidarität, Subsidiarität und Eigenverantwortung – als Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Prinzipien seien heute wichtiger denn je.
Angesichts zunehmender Verunsicherung und Zukunftsängste hielt die Bundespräsidentin fest: «Tatsächlich stehen wir vor grossen Herausforderungen. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Ausgangslage zu deren Bewältigung in der Schweiz besser ist als in anderen Staaten.» Keller-Sutter rief die Schweizerinnen und Schweizer dazu auf, ihren Handlungsspielraum zu nutzen: «Wir können unsere funktionierenden demokratischen und rechtsstaatlichen Institutionen pflegen und bewahren. Wir können dem Trend zur Polarisierung widerstehen und weiterhin konsensorientierte und mehrheitsfähige Lösungen finden.»
Die SGG setzte auch in diesem Jahr bewusst eigene inhaltliche Akzente. Getragen wurde das Programm von zahlreichen Mitwirkenden: Der Verein Mundartforum kuratierte die Plakatausstellung, die auf grosses Interesse bei den Besucherinnen und Besuchern stiess, und das Sprachen- und Dialektprogramm auf der Bühne. Die Musikgesellschaft Brunnen begleitete den Festakt, der Fähndlerclub Weggis sorgte für den traditionellen Farbtupfer. Für musikalische Höhepunkte sorgten Nicolas Senn und Elias Bernet.
Die Bundesfeier 2025 hat deutlich gemacht: Das Rütli ist kein Ort für Rückzugsdenken, sondern ein Ort der Begegnung.