Die andere Seite der reichen Schweiz

einzelpersonenDie SGG erhält von gemeindlichen Sozialfachstellen täglich Hilfsgesuche für Menschen, denen der Staat das Nötigste zum Leben nicht bezahlen kann. Dank Spenden kann die SGG rasch, unbürokratisch und effektiv Not lindern.

Zahnbehandlungen – ein Dauerbrenner

Ab einem bestimmten Grad der Behinderung finanziert die IV Zahn- und Kieferkorrekturen von Kindern. Doch in vielen Grenzfällen bezahlt die IV nicht, obschon Zahnkliniken einen Eingriff als unerlässlich beurteilen und dringend empfehlen. So erhielt die SGG auch 2014 wieder etliche Finanzierungsgesuche für Zahnsanierungen oder Zahnkorrekturen. Der SGG fehlt wie den meisten Vergabestiftungen das nötige zahnmedizinische Fachwissen, um solche Behandlungen und Kostenvoranschläge beurteilen zu können. Darum fordert die SGG neu – gemeinsam mit der Stiftung SOS Beobachter und in Absprache mit den Kantonszahnärzten – die Bestätigung durch einen Vertrauenszahnarzt, dass die geplante Behandlung den SKOS-Richtlinien entspricht sowie wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist. Erst wenn dieses Gutachten vorliegt, leistet die SGG einen finanziellen Beitrag. Dadurch verhindert die SGG, dass sich Zahnärzte mit unnötigen Schönheitsoperationen an Sozialhilfeempfängern bereichern.

Bei manchen Hilfsgesuchen kann die SGG mit einem Geldbetrag lediglich eine momentane Notsituation überbrücken. Mit einer Spende kann die SGG beispielsweise Mietrückstände bezahlen und dadurch verhindern, dass eine Familie mit kleinen Kindern aus der Wohnung geworfen wird. Aber die Not bleibt bestehen. Und es wird zu weiteren Gesuchen bei irgendwelchen Stiftungen kommen. Umso erfreulicher sind Meldungen über Situationen, wo die SGG Menschen nachhaltig aus der Not helfen konnte. Eine 56-jährige Verkäuferin fand beispielsweise trotz intensiver Bemühungen keine Stelle mehr, wurde ausgesteuert und musste schliesslich Sozialhilfe beziehen, was sie in der Folge auch psychisch stark belastete. Da sie gerne mit Menschen arbeitete und eine grosse Nachfrage nach Pflegepersonal besteht, entschloss sie sich zu einem Pflegehelferinnenkurs vom Schweizerischen Roten Kreuz. Die dazu nötigen 2100 Franken konnte oder wollte die Sozialhilfe nicht aufbringen. Also sprang die SGG ein. Inzwischen absolviert die Frau ein Praktikum in einem Altersheim und hat dort gute Chancen auf eine Festanstellung. Ihr Selbstwertgefühl wurde gestärkt, sie knüpfte neue Kontakte und wird finanziell bald auf eigenen Füssen stehen. Gerade im Ausbildungsbereich bewirken relativ geringe Beträge effektive und nachhaltige Entwicklung. Mobilität schafft soziale Integration Politiker profilieren sich in den Medien gerne mit Slogans wie «Sozialhilfebezüger sollen kein Auto besitzen». Dass es da und dort fragwürdige Investitionen gibt, bestreitet niemand. Aber in einigen Berufen hat man ohne ein Auto keinerlei Chance, jemals wieder eine Arbeitsstelle zu finden. Und bei IV-Beziehenden ist die Mobilität ein unverzichtbarer Wert. Menschen mit einem permanenten Handicap bewahren mit einem Auto ihre Unabhängigkeit und können weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Die SGG finanzierte zusammen mit ein paar Stiftungen beispielsweise den Kauf eines Autos für eine sechsköpfige Familie, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten war.
Im Jahr 2011 wurde bei der 36-jährigen Mutter eine neurogenetische Krankheit diagnostiziert, die einen kontinuierlichen Muskelabbau bewirkte. Dieselben Symptome tauchten im Jahr 2014 auch bei der fünfjährigen Tochter auf. Die Mutter benötigte Gehhilfen und konnte sich ausserhalb des Hauses nur noch im Rollstuhl bewegen. Die Familie musste in eine behindertengerechte Wohnung umziehen und ein Auto anschaffen, mit dem auch Rollstühle transportiert werden können.
Für solche Ausgaben bezahlt weder der Staat noch irgendeine Versicherung. Die SGG schrieb zusammen mit SOS Beobachter Briefe an die verschiedenen Vertreter der Automobilbranche, um diese zur Schaffung eines Fonds für solche Notfälle anzuregen. Doch die ESA (Einkaufsorganisation des Schweizerischen Auto- und Motorfahrzeuggewerbes) sowie Auto-Schweiz und AUTO ALLIANZ bestätigten nicht einmal den Empfang der Briefe.